Die Welt verbessern mit Sensoren

63 Programmierer, Maker, Wissenschaftler, Designer und Betriebswirte trafen sich vom 20. bis 22. Juli 2018 zum Sensors & {data} | Hackathon in Heidelberg. Unterstützt von fast 30 Mentoren tüftelten sie ein Wochenende lang an Prototypen für digitale Produkte und Dienstleistungen. Die drei besten Projekte wurden mit jeweils 1.000 Euro prämiert.

„Noch 15 Minuten“, übertönte ein lauter Ruf am Sonntagnachmittag das hektische Treiben im Untergeschoss der SRH Hochschule Heidelberg. Acht Teams machten sich bereit für ihre Abschlusspräsentation. Während eine junge Frau vorsichtig einen mit Computerplatinen und Kabeln übersäten Stuhl in Richtung der Bühne schob, klickte ihr Teamkollege im Laufen noch schnell durch die hastig vorbereitete Präsentation. Vier Minuten hatten sie Zeit, die Jury von ihrer Arbeit der letzten 50 Stunden zu überzeugen um einen der drei Preise zu ergattern. Es ging um je 1.000 Euro für die beste technische Umsetzung, das nutzerfreundlichste Produkt und das beste Geschäftsmodell.

„Wir möchten herausfinden, wie sich mit Hilfe von Sensoren und Daten technische und gesellschaftliche Problem lösen lassen“, fasste Thomas Prexl, Leiter des Gründerbüros im Technologiepark Heidelberg und einer der Köpfe hinter dem Sensors & {data} | Hackathon die Ziele der Veranstaltung. Die Probleme, sogenannte „Challenges“, wurden von verschiedenen Unternehmen und Forschungseinrichtungen eingebracht. Die 63 teilnehmenden Programmierer, Maker, Wissenschaftler, Designer und Betriebswirte hatten am Freitagabend acht dieser Probleme ausgewählt und in Teams von sechs bis neun Personen umgehend mit deren Lösung begonnen.

Im Mittelpunkt standen dabei meist ähnliche Fragen: Welche Daten lassen sich mit Sensoren erfassen? Wie können diese mit künstlicher Intelligenz und Maschinenlernen interpretiert werden? Wie lassen sich innerhalb kürzester Zeit Prototypen entwickeln, um die Ideen schnell zu erproben und zu verbessern? Dazu wurde in aller Eile gelötet, 3D-gedruckt und natürlich programmiert. Nur kurz nahmen sich die Teilnehmer Zeit, um bei einem der von den Veranstaltern organisierten Foodtrucks einen Snack zu sich zu nehmen oder am Abend ein Craftbeer zu probieren. Meist ging es schnell wieder zurück in die Arbeitsräume.

Unterstützt wurden die Teilnehmer von fast dreißig Mentoren, darunter erfahrene Spezialisten für Sensorik und Softwareentwicklung. Aber auch für Fragen zum Datenschutz, zum Produktdesign oder zur Gestaltung und Präsentation innovativer Geschäftsmodelle fanden sich geeignete Ansprechpartner. Denn am Ende zählte nicht nur eine gute technische Ausführung, sondern auch ein nutzerfreundliches Design und ein nachhaltiges Geschäftsmodell. Eine vierköpfige, interdisziplinäre Jury prämierte im Anschluss an die Präsentationen die drei überzeugensten Teams.

Der Preis für die beste technische Lösung ging an Roomanizer. 50 Stunden lang hatte das Team sich dem Problem gewidmet, dass Besprechungsräume zwar reserviert, dann aber nicht genutzt werden. Ließe sich die tatsächliche Nutzung des Raumes zuverlässig erkennen, wäre unnötiger Leerstand zu vermeiden. „Das Team Roomanizer hat an nur einem Wochenende aus einer Hand voll Sensoren ein fertiges Produkt entwickelt – fix und fertig mit Gehäuse und cloudbasierter Software,“ zeigte sich Juror Sören Lauinger, Leiter der vom Unternehmen B.Braun betriebenen Innovationsschmiede werk39, bei der Preisverleihung beeindruckt.

Für die nutzerfreundlichste Lösung wurde Uhura prämiert. Das Team hatte ein Gerät entwickelt, das die Aktivität der Sprechmuskulatur erfasst und zukünftig als synthetische Sprache wiedergeben soll. Menschen mit Kehlkopfkrebs könnten so wieder eine Stimme erhalten. „Weltweit gibt es mehrere Millionen Menschen, die nach einer Kehlkopf-Amputation nur noch eingeschränkt kommunizieren können. Klar und verständlich zu sprechen ist für diese Nutzergruppe ein wichtiges Ziel“, wusste Bernhard Küppers, aktiver Business Angel und Leiter des Gründer-Instituts in der SRH Hochschule Heidelberg.

Lediglich beim Preisträger für das beste Geschäftsmodell waren sich die Juroren uneinig und entschieden sich schließlich dazu, den Preis zu teilen. Prämiert wurde Bio Data Hero für eine Blockchainlösung, die es ermöglicht, Gesundheitsdaten in anonymisierter Form für klinische Studien zur Verfügung zu stellen. „Wir sind davon überzeugt, dass in diesem Bereich ein riesiges Potenzial liegt – wir denken aber auch, dass es hier einen großen Wettbewerb und hohe regulatorische Hürden zu überwinden gibt“, erläuterte Nicolas Ott, Partner der Rechtanwaltsgesellschaft SZA Schilling, Zutt & Anschütz die Diskussion der Jury. Ebenfalls prämiert wurde Fossil Sensor Solutions, die sich der Frage gewidmet hatten, wie sich Wissen und Erfahrung bei der Wartung und Reparatur von Maschinen mit Hilfe von Sensoren konservieren lässt. „Der Verlust von Mitarbeitern, die eine Maschine so gut kennen, dass sie an Laufgeräuschen oder Vibrationen erkennen können, wo Handlungsbedarf besteht, ist für viele Unternehmen ein großes Problem. Ein sensorbasiertes Expertensystem könnte enormen Wert schaffen, wenn es gut funktioniert und von den Mitarbeitern akzeptiert wird,“ erläutere Michael Fuchs, Gesellschafter des Sensorherstellers Pepperl+Fuchs die Auswahl.

Aber auch die fünf anderen Teams wussten zu begeistern: Als Maastricht Team waren sechs Studentinnen und Studenten eigens aus den Niederlanden angereist, um einen intelligenten Schreibtischstuhl zu entwickeln. Dieser könnte in Zukunft Lehrer dabei unterstützen besser auf Kinder mit Konzentrationsstörungen einzugehen. Das Team Lisa war angetreten, um mit virtuellen persönlichen Assistenten die Dokumentationspflichten von Chirurgen zu automatisieren. OP IoT entwickelte eine virtuelle Unterstützung für OP-Schwestern. Um das leidige Thema Parkplatzsuche kümmerte sich Heidel-Park. Sensoren im Boden sollen in der smarten Stadt der Zukunft Autofahrer direkt zum nächsten freien Parkplatz lotsen.

Der Sensors & {data} | Hackathon war eine gemeinsame Veranstaltung der Heidelberg Startup Partners, des Gründer-Instituts der SRH Hochschule Heidelberg und des Technologieparks Heidelberg. Ermöglicht wird die Veranstaltung durch das Sponsoring des Medizintechnikunternehmens B.Braun, der Pepperl+Fuchs-Tochter NeoCeption und der Rechtanwaltsgesellschaft SZA Schilling, Zutt & Anschütz.